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Gegensätze ziehen sich an, ergänzen sich. Die Vorstellung, ein Programm ausschließlich mit Kompositionen einer Epoche oder Stilistik zu gestalten, hat sich inzwischen als nicht mehr zwingend herausgestellt. Denn manchmal liegt gerade in den Kontrasten der eigentliche Erkenntniswert, der ein Werk in neuem und unerwartetem Licht erscheinen lässt. Da wundert es wenig, wenn sich eine Künstlerin von Weltformat wie die Geigerin Michelle Makarski auf einer CD zwei Komponisten zuwendet, die wie Giuseppe Tartini und Donald Crockett rund 250 Jahren musikgeschichtlich auseinander liegen.
Giuseppe Tartini (1692-1770) ist bis heute eine der zentralen Gestalten des modernen Geigenspiels. Er revolutionierte nicht nur die Bogenführung, die Doppelgriffe, das Lagenspiel oder die Art, Triller zu gestalten, sondern entdeckte auch gemeinsam mit Georg Andreas Sorge die so genannten Kombinationstöne, die beim Zusammenklingen bestimmter Töne einen dritten Ton zu generieren. Tartini zählte zu den bedeutenden Virtuosen und Pädagogen seiner Zeit, war mit Unterbrechungen von 1721 bis 1760 Konzertmeister an Sant' Antonio in Padua und gründete dort 1728 die berühmte Musikakademie, aus der in den folgenden Dekaden zahlreiche bekannte Schüler und Komponisten hervorgingen. Er gehörte zu den führenden italienischen Komponisten des galanten Stils der Vorklassik, integrierte nach einem Aufenthalt in Prag 1723 bis 1726 auch Andeutungen slawischer Volksmusik in seiner Kompositionen und gab durch seine Sonaten und vor allem durch die Solokonzerte der Geigenliteratur nachhaltige Impulse. Ungemein produktiv schuf er eine Vielzahl von Einzelwerken und Zyklen, von denen bis heute rund 200 Violinsonaten, 125 Violinkonzerte, etwa 50 Triosonaten, außerdem Symphonien und Cellosonaten erhalten sind. Donald Crockett (*1951) wiederum gilt als einer der wegweisenden amerikanischen Komponisten der Gegenwart. Geboren in Pasadena in der Nähe von Los Angeles, hat auch er sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Hochschullehrer unter anderem an der University Of Southern California und als Dirigent in Tanglewood und bei den Philharmonikern von Los Angeles einen Namen gemacht.
Für Michelle Makarski sind diese beiden Pole der instrumentalen Gestaltungskraft eine perfekte Basis, um ihre gestalterische Kompetenz im Umgang mit sehr disparatem Klangmaterial zu dokumentieren. Als Ausgangspunkt ihres Albums "To Be Sung On The Water" dient ihr Crocketts gleichnamige Komposition aus dem Jahr 1988, die ihr der Urheber des Stück explizit gewidmet hat und die sie gemeinsam mit dem Bratschisten Ronald Copes vor den Mikrofonen verwirklicht hat. Der zweite zeitgenössische Beitrag stammt aus dem Jahr 1996, trägt den Titel "Mickey Finn" und die doppeldeutige Widmung "For Mickey" (Makarskis Spitzname). Umrahmt werden diese beiden Stücke von insgesamt drei Solosonaten von Giuseppe Tartini, die jeweils abwechselnd mit Crocketts Melodien für den besonderen überzeitlichen Klangzusammenhang sorgen. "Ich wollte bei dieser Aufnahme auf das Klavier verzichten, denn mir ging es vor allem um das Streichertimbre. Crocketts 'To Be Sung On The Water' erschien mir wie ein modernes Äquivalent zu Tartini", kommentierte die amerikanische Geigerin ihre Wahl. Die Verbindungen sind dabei nicht willkürlich, sondern greifen auf harmonische Verwandtschaften und motivische Implikaturen zurück: "Nachdem ich Tartinis siebte Sonate bereits auf Elogio eingespielt hatte, war ich sehr froh, mir die Sammlung nun als Ganzes vornehmen zu können. Die drei Sonaten, die ich hier ausgewählt habe, stachen mir schnell als Lieblingsstücke ins Auge. Die Musik ist sehr beredt und tief empfunden, scheinbar schlicht aber sehr berührend - und äußerst anspruchsvoll zu spielen! In gewisser Weise ist das schwieriger als so manche pyrotechnischen Extremanforderungen des Violinrepertoires. Einige Sätze sind fast durchweg einstimmig gehalten, und das meiste ist sehr transparent."
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