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2001 erhielten Gianluigi Trovesi und Pianist Umberto Petrin eine Einladung, an einer Konzertreihe zu Ehren des 100. Todestages des aus Bergamo stammenden Cellisten und Komponisten Alfredo Piatti teilzunehmen. Zu den Zeitgenossen, die Piatti besonders geschätzt hatten, gehörten unter anderem die Komponisten Franz Liszt und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Im Rahmen dieser Konzertreihe dekonstruierten Trovesi und Petrin Piattis Melodien auf solch spannende Weise, daß die Idee zu einem neuen ECM-Projekt geboren wurde. Als dritten Mann holte Trovesi dafür den Schlagzeuger, Elektroniker und Sampling-Spezialisten Fulvio Maras ins Boot. Maras verfügt über reichlich Erfahrung im Bereich der Theatermusik und arbeitete auch schon mit Trovesi zusammen, als dieser 2002 mit seinem Oktett das Album "Fugace" (ECM 1827) aufnahm. Maras schafft es hier, die Interaktionen von Klarinette und Klavier atmosphärisch zu umhüllen und Verbindungen zwischen den einzelnen Stücken des stilistisch weitgesteckten Repertoires anzudeuten.
"Vaghissimo Ritratto" - den italienischen Titel könnte man mit "sehr liebliches Bildnis" oder auch "sehr vage Impression" übersetzen - gleicht einer einzigartigen Reise durch die westliche Kunstmusik mehrer Jahrhunderte und enthält neben Eigenkompositionen und Kollektivimprovisationen der drei Musiker auch wundervolle Bearbeitungen von Stücken von Palestrina, Orlando di Lasso, Monteverdi, Josquin Des Prés, Jacques Brel und dem italienischen Popsänger Luigi Tenco, der sich 1967 das Leben nahm, nachdem eines seiner Lieder beim Songfestival in San Remo durchgefallen war. Gianluigi Trovesi, der heute längst als einer der originellsten und wichtigsten Musiker der europäischen Improvisationsszene gilt, nahm 1994 als Mitglied des Italian Instabile Orchestra erstmals ein Album für ECM auf: "Skies Of Europe" (ECM 1543). Dann folgten drei Alben unter seinem Namen: Im Duo mit dem Akkordeonspieler Gianni Costa nahm er zunächst 1999 "In Cerca Di Cibo" (ECM 1703) und 2004 "'Round About Weill" (ECM 1907) auf, mit seinem Oktett 2002 das bereits erwähnte Album "Fugace". Als gefeatureter Solist des Orchestre National de Jazz war er außerdem 2001 an der Einspielung von "Charmediterranéen" (ECM 1828) beteiligt. Die Aufnahmen für "Vaghissimo Ritratto" machte der Multiinstrumentalist Trovesi ausschließlich mit seiner Altklarinette, die er mit Eleganz, Wärme und technischer Brillanz zu spielen versteht. Trovesi, der schon immer ein Meister des melodienseligen Spiels war und dabei nie sein italienisches Erbe verleugnete, übertrifft sich hier selbst. Umberto Petrin hat mit Trovesi bereits im Italian Instabile Orchestra zusammengespielt und Jazzgrößen wie Steve Lacy und Lee Konitz begleitet. Petrin ist nicht nur ein ungemein poetischer Pianist, dessen Spiel vor allem von Aleksander Skriabin und Thelonious Monk beeinflußt wurde, sondern in seiner Heimat auch als Dichter bekannt. Fulvio Maras hat schon mit einer ganzen Reihe bekannter italienischer Jazzmusiker gearbeitet: neben Gianluigi Trovesi wären da etwa Giancarlo Schiaffini, Paolo Damiani und Bruno Tommaso zu nennen. Aber auch internationale Jazzgrößen wie Ralph Towner, Pierre Favre und Kenny Wheeler spielten schon mit dem Schlagzeuger. Maras beschränkt sich bei seiner Arbeit nicht allein auf den Jazz, sondern macht auch "Weltmusik", Theater- und Orchestermusik oder sogar Pop. Gefragt ist er dabei nicht nur als Schlagzeuger und Perkussionist, sondern auch als Sampling- und Electronic-Spezialist.
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