Das Konzept von Klang
26.02.2010

Es geht auch um die Form. Für zeitgenössische Komponisten gehört es zu den grundlegenden Fragen, wie sie mit vorhandenen historischen Gattungen umgehen sollen, ohne dabei einerseits nostalgisch und retrospektiv zu werden, auf der anderen Seite aber auch konstruktiv jenseits des Avantgarde-Dogmas der Innovation bleiben können. Der kanadische Komponist Peter-Anthony Togni wählte für sein Bassklarinetten-Konzert daher einen Hybrid sehr unterschiedlicher Bedeutungsbereiche, die er zu einem komplexen Werk zusammenfügte.
„Lamentatio Jeremiah Prophetae ist eine Mischung des Virtuosen-Konzerts und des Konzerts in seiner eigentlich originalen Bedeutung“, meint der Komponist in einem Kommentar zu seinem rund 50 Minuten langen Werk. „An vielen Punkten stellt es den Solisten prominent in den Mittelpunkt, aber wichtiger noch ist die Rückkehr zur der Vorstellung des Kollektiven. Das am meisten einende Element ist die Klangsprache selbst. Es referiert auf das Konzept von 'Klang', wie es der finnische Komponist Jean Sibelius oft verstand. Diese Idee konzentriert sich auf die Greifbarkeit des Klang-Objektes an sich als ursprünglich expressives und strukturelles Element“.
Peter-Anthony Togni erreicht diese Dichte der Empfindung, indem er den Bassklarinettisten Jeff Reilly keinem Orchester, sondern den Stimmen der Emler Iseler Singers (unter der Leitung von Lydia Adams) und der Sopranistin Rebecca Whelan gegenüberstellt und als Thema eine der alten Geschichten der Christenheit, die Prophetien des Jeremias, wählt. Auf diese Weise bekommt die in der Kathedrale von Halifax aufgenommene „Lamentatio“ eine profunde spirituelle Kraft, ohne dabei auf Effekte zurückgreifen zu müssen. Ein grundlegendes Werk.
